Aktuelles
06.03.2009
Ansprache von Hartmut Baumann zur Verabschiedung von Roland Heckelmann aus dem Gemeinderat am 05.03.2009
Lieber Roland, Herr Oberbürgermeister, meine sehr geehrten Damen und Herren.
Auf der Einladung zur heutigen Veranstaltung steht, es handle sich um einen Empfang anlässlich der Verabschiedung von Stadtrat Roland Heckelmann, ehrenamtlicher Stellvertreter des Oberbürgermeisters. Deutsche Sprache -- schwere Sprache würde manch einer denken, der nicht all die sprachlichen Winkelzüge unserer Muttersprache beherrscht. Ein Empfang um zu verabschieden.
Und genauso schwierig wie es vielleicht wäre, diesen eigentlichen Gegensatz der beiden Wörter einem Nichtdeutschsprechenden zu erklären, genauso schwierig erscheint es dem Beobachter und zugegebenermaßen auch mir, binnen eines Jahres ein und der selben Person für Verdienste auf ein und dem selben Gebiet Ehre zu erweisen.
Am 5. März vergangenen Jahres an gleicher Stelle durfte ich anlässlich Deines 80. Geburtstags lieber Roland, vor einem teilweise gleichen Auditorium zu den Anwesenden sprechen. Am 17. Dezember letzten Jahres dann stand Dein 40 jähriges Gemeinderats-Dienstjubiläum an, wo ich versucht habe nicht dasselbe, wenngleich inhaltlich letztendlich dann doch vieles Gleiches zu erzählen.
Ein Zeuge beider Reden mahnte bei mir dieser Tage an, nicht wieder von 2600 Stunden auf Augenhöhe zu berichten. Und genau deshalb, um nämlich nicht im Sinne von Wiederholungsszenen beim Film: "heute Heckelmann die Dritte, Klappe", zum Besten zu geben, wähle ich im Wesentlichen einen anderen Inhalt bei meiner Ansprache, die auch keine Laudatio sein soll. Ich versuche mich nicht zu wiederholen, in Anlehnung an die genannten beiden vorherigen Termine.
Ich denke, eine Verabschiedung muss auch nicht immer den Anspruch erheben, der zu Verabschiedende alleine stehe im Mittelpunkt. Und gerade im Falle des Ausscheidens von Roland Heckelmann aus dem Gemeinderat würde man Dir, lieber Roland, nicht gerecht, wenn es eine Veranstaltung wäre, wo die Redner sich in Lob und Anerkennung Deines Schaffens, ja Deiner Person übertreffen wollen.
Dennoch will ich eines bewusst wiederholen:
Roland Heckelmann ist Zeit seines Lebens ein Teamplayer und war ein solcher auch im Gemeinderat.
Meine sehr geehrten Empfangs- und Verabschiedungsgäste, Erinnerungen -- Schwelgen in alten Zeiten -- das Bemühen des eigenen Gedächtnisses, schöne, zugegebenermaßen mitunter auch kritische Zeitvertreibe. Ein solcher Zeitvertreib wird nämlich einerseits, im Alter aus biologischen Gründen, - man hat zunehmend Lücken-, und andererseits auf Grund der ganz individuellen Betrachtungsweise des Einzelnen, nicht immer dem gerecht, was eigentlich angebracht wäre.
132 Damen und Herren hat Roland Heckelmann im Gemeinderat der Stadt Schwäbisch Hall kommen und gehen sehn. Viele von Ihnen sind zwischenzeitlich nicht nur aus dem Gemeinderat verschwunden, nein sie sind ganz von uns gegangen.
Ich denke, wenn jemand nach 40 Jahren zurücktritt, ist es auch, oder sogar zwingend, angebracht, ein paar wenige seiner Weggefährten vor dem geistigen Auge wiedersehen zu wollen, ja sie sich zu vergegenwärtigen. Und ich nutze die Gelegenheit, genau dies hier und heute zu tun.
Man schrieb November 1987, als am Platz von Gerhard Gerstenberg in der Sitzung des Gemeinderats, an seiner Stelle ein Blumengruß als Ausdruck der Trauer lag. Gerhard Gerstenberg war an den Folgen eines Herzinfarkts auf der A 6 völlig überraschend gestorben. Und trotz nur wenige Jahre dauernde Begegnungen im Gemeinderat ist meine Erinnerung an den Vater des persönlichen Referenten unseres Oberbürgermeister noch heute so eingebrannt, dass ich sehr häufig, wenn ich die A 6 von Nürnberg kommend verlasse, an ihn denke.
Er war ein Weggefährte von Roland Heckelmann.
Vor sicherlich mehr als 10 Jahren traf ich mich wie häufig mit den Ratskollegen Winfried Scheuermann und Joachim Baumann am Abend im Salzwerk, als der Jochen, bekanntermaßen ein Freund der heimischen Küche, von frischer Schlachtplatte im Waldhorn in Sulzdorf berichtete. Wir fuhren sofort dorthin. Und während ich mich tatsächlich mit einer Schlachtplatte begnügte, mussten meine beiden herzkranken Freunde vorweg auch noch eine fette Metzelsuppe zu sich nehmen.
Die beiden, die nicht nur ich vermisse, waren Weggefährten von Roland Heckelmann.
Roland Heckelmann hat in seinen ersten Jahren mit Kolleginnen und Kollegen wie Frau Bartenbach, Frau Scherber, Pfarrer Köstlin, Fritz Gräter, Willi Siedentop, Juler Vogelmann oder Hans Weinmann die Geschicke unserer Stadt gelenkt.
Sie alle waren Weggefährten von Roland Heckelmann.
Anekdoten, die er und andere aus dieser Zeit zu berichten wussten und wissen, wurden mir so intensiv erzählt, dass Erzählung und tatsächlich dabei gewesen sein oftmals verschwimmen.
Meine Mutter, von Haus aus etwas neugierig und offenbar nicht mit tiefem Schlaf gesegnet, wusste an Morgen nach Sitzungen gerne zu berichten, wann der AOK- Baumann, wie sie Heinz Baumann nannte, unseren Nachbarn Josef Zeller von der Nachsitzung kommend im Gebhardweg absetzte. "Des war gestern wieder a lange Gmeinderatssitzung" gab sie dann beim Frühstück zum Besten. Nebenbei ein Satz, den auch ich heute ab und an von meiner Frau zu hören bekomme.
Beide Herren waren Weggefährten von Roland Heckelmann.
Roland Heckelmann durfte starke Redner im Gemeinderat erleben. Ich nenne Dr. Dr. Pfeifer, Walter Müller oder Walter Döring.
Auch sie waren Weggefährten von Roland Heckelmann.
Er durfte Redner mit einzigartiger Spontaneität wie Jochen Schweizer, aber auch Günther Hasenfuß erleben. Und es galt für Roland Heckelmann in die Fußstapfen von unserem nie vergessenen Emil Leipersberger zu treten. Heute beim Rückblick auf 40 Jahre anlässlich seiner Verabschiedung gänzlich verschwommen.
Auch diese Kollegen waren Weggefährten von Roland Heckelmann.
Kämpfende, aber im Grunde ihres Herzen fürsorgliche Kolleginnen, wie Eva-Maria Kraiss oder Erika Weihbrecht, ebenso wie eher stille und dennoch scharf denkende Kolleginnen wie Christa Ehrhard oder Sigrid Müller.
Sie waren auch Weggefährtinnen von Roland Heckelmann.
Mit Hans auf Georg Reber, Winfried auf Eugen Scheuermann oder Friedrich jun. auf Friedrich sen. Drechsler, sah er sogar 3 mal Söhne auf Väter folgen.
Auch Weggefährten von Roland Heckelmann.
Meine sehr geehrten Damen und Herren, in jungen Jahren glaubt man, 40 Jahre seien eine halbe Ewigkeit. Da ist sicher was dran. Im Alter dann allerdings, wenn es einem gelingt zufrieden zurück zu blicken, erscheint einem vieles wie im Zeitraffer.
Ich bin glücklich, dass ich heute und hier die Möglichkeit erhielt, bei einem Anlass, der weder Gedenkfeiern noch Jubiläumsveranstaltung darstellt, Sie anzuregen an Kolleginnen und Kollegen zu denken, die nicht mehr unter uns im Gemeinderat sind, und auch an jene, welche uns nicht einmal mehr auf der Straße begegnen.
Roland Heckelmann ist 21 Jahre älter, mein Sohn 25 Jahre jünger als ich. Im Gemeinderat gibt's zwischenzeitlich Kolleginnen und Kollegen im Alter meiner Kinder. Als Roland Heckelmann mit 41 Jahren gewählt wurde, saßen Kollegen im Rat, die wiederum sein Vater hätten sein können. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund sollte uns bewusst werden: Roland Heckelmann hat mit 4 Generationen die Geschicke unserer Stadt gelenkt.
Aber an wen erinnern wir uns heute noch?
4 Generationen.
Meine Kinder kennen ihre Urgroßeltern von Bildern, die letzte meiner Großeltern, meine Oma, starb als ich 11 Jahre alt war.
4 Generationen. Wer aus der heutigen Generation der 30 bis 40 jährigen erinnert sich?
Wo steht für die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt geschrieben, dass einst ein Dieter Windmüller, ein Willi Eller, oder ein Roland Schmid maßgeblich an der Gestaltung von dem beteiligt waren, was wir heute für selbstverständlich erachten.
Werte Damen und Herrn, liebe Kolleginnen und Kollegen. Es soll nicht der Eindruck entstehen, dass ich meine, jede oder jeder Einzelne unter uns hätte ein Denkmal verdient. Aber ich fordere ein, dass ein "sich an die Altvorderen erinnern" nicht nur an einem Anlass wie heute legitim ist. Nein es ist unsere verdammte Pflicht, in Respekt und Dankbarkeit, uns zu erinnern.
Ich habe dies versucht. Und wer genau aufgepasst hat, hat sicher auch bemerkt, dass ich dies ohne Achten auf Fraktionszugehörigkeiten getan habe.
Meine sehr geehrten Damen und Herrn, unser Oberbürgermeister Hermann-Josef Pelgrim hat mich gebeten, im Namen des Gemeinderats Roland Heckelmann Dank zu sagen.
Nach Hans Reber bin ich heute auf Grund der gesundheitlich bedingten Abwesenheit von Dieter Vogt, ihm von hier aus alles Gute, bin ich der Zweitälteste im Hinblick auf das Gemeinderatsdienstalter, und somit einer der beiden heute anwesenden längsten Weggefährten von Roland Heckelmann im Rat.
Lieber Roland, nach 40 Jahren und ein paar Monaten darf man sich aus einem Gremium ohne wenn und aber verabschieden. Nach 40 Jahren und ein paar Monaten intensiven Einsatzes für seine Stadt darf man Anspruch darauf erheben, mit viel Respekt und enormer Anerkennung für Geleistetes, einen hoffentlich noch langen nächsten Lebensabschnitt ohne Ehrenamt angehen zu wollen.
Am 21. März 1992 fragte Dich der Redakteur vom Haller Tagblatt, Dieter Kalinke: "Was schätzen Sie bei Ihren Freunden am meisten?" "Zuverlässigkeit, Toleranz und Humor." Ich hoffe Du bist auch hier im Gemeinderat vielen Menschen mit diesen Eigenschaften begegnet.
Und auf die Frage nach dem Motto Deines Lebens war als Antwort zu lesen: "Meine Pläne und Ziele stecke ich ziemlich hoch. Bin aber zufrieden, wenn ich 80 Prozent erreiche."
Ich denke, diesem Motto bist Du mehr als gerecht geworden.
Die Mitglieder aller Fraktionen des Gemeinderats der Stadt Schwäbisch Hall, 132 Persönlichkeiten, auch wenn viele von ihnen uns, wie wir hoffen, von irgendwoher, von irgendwoher wo wir nicht hinschauen können, beobachten, wir alle sagen Dankeschön. Bleib gesund und versuch auch Du in stiller Stunde dich an diese 132 Frauen und Männer zu erinnern, die Dich in Deiner langen Zeit des Schaffens begleiten durften.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit
